Äquatoreal


aequatorial small Das Äquatoreal ist das älteste noch in Bergedorf aufgestellte Fernrohr. Es handelt sich um einen Refraktor von 26cm Öffnung und 3 m Brennweite.

Der Begriff ,,Äquatoreal`` (auch ,,Äquatorial``) wird in zweifacher Bedeutung verwendet. Im weiteren Sinne (sowie allgemein im englischen und französischen Sprachgebrauch) bezeichnet Äquatoreal einen parallaktisch (= im Äquatorsystem beweglich) montierten Refraktor. Diese Bezeichnung entstand Ende des 18. Jahrhundertes mit den ersten parallaktisch montierten Fernrohren, um sie von den damals gebräuchlicheren, im Azimutsystem montierten Fernrohren (Meridiankreise, Vertikalkreise, Passageinstrumente etc.) unterscheiden zu können. Im engeren Sinne ist ein Äquatoreal ein parallaktisch montiertes Fernrohr, das mit großen, fein geteilten Kreisen und Ablesemikroskopen versehen ist, um auch außerhalb des Meridians direkte Positionsbestimmungen durch Messung von Rektaszensions- (bzw. Stundenwinkel-) und Deklinationsdifferenzen vornehmen zu können. Das Hamburger Äquatoreal ist das größte je gebaute Teleskop dieser Art. Allerdings blieb die Genauigkeit der Positionsbestimmung stets erheblich hinter derjenigen von Meridianbeobachtungen zurück, so daß die instrumentelle Entwicklung hier in eine Sackgasse lief.

stwmill0 Das Hamburger Äquatoreal wurde 1867 von der Hamburger Firma A. Repsold & Söhne fertiggestellt und in einem bereits 1855 errichteten Turm mit eiserner Kuppel an der Nordseite des alten Sternwartengebäudes am Millerntor aufgestellt. Das zweilinsige Objektiv stammt von der Münchner Firma G. und S. Merz. 1870 wurde ein zweites Objektiv von dem Hamburger Optiker Hugo Schröder für dieses Instrument geschliffen, das sich aber als weniger gut erwies als das Merzsche Objektiv.

In seiner Zeit am Millerntor wurde das Äquatoreal hauptsächlich für visuelle Beobachtungen von Kometen und Kleinplaneten eingesetzt. Aber auch umfangreiche Programme zur Positionsbestimmung der ,,Nebelflecke`` wurden mit dem Instrument durchgeführt, ohne daß man wohl damals wußte, welcher Natur diese Objekte waren.

Im Mai 1908 wurde das Instrument demontiert und nach gründlicher Überholung durch die Fa. Repsold im Juni 1909 am neuen Standort in Bergedorf wieder aufgestellt. Hierzu wurde ein eigenes neues Beobachtungsgebäude im Südosten des Sternwartengeländes errichtet. Die alte Kuppel von 6m Durchmesser konnte hingegen wiederverwendet werden, lediglich der Spaltverschluß mit Klappen wurde durch einen Spaltschieber ersetzt. Zur leichteren Bedienbarkeit befindet sich in der Kuppel ein hölzerner Beobachtungsstuhl, mit dem sich der Beobachter mittels Seilzügen um das Teleskop herum sowie auf und nieder bewegen kann, ohne aufstehen zu müssen. Nachdem auch die anderen Instrumente betriebsbereit waren, versuchte man festzustellen, ob das Aequatoreal sich auch für absolute Positionsbestimmungen eignen würde, diese Versuche verliefen aber im wesentlichen ergebnislos, so daß weiterhin nur relative Messungen durchgeführt wurden.

aequ geb small In den ersten Jahren in Bergedorf wurde das Äquatoreal zunächst von K. Graff vielfältig für visuelle Beobachtungen von Planeten, Kometen und veränderlichen Sternen eingesetzt. Nach dem ersten Weltkrieg, als die neuen größeren Teleskope in Bergedorf sämtlich in Betrieb standen, wurde es jedoch recht still um das Instrument. In den Jahresberichten der zwanziger und dreißiger Jahre taucht es nur sporadisch auf.

Eine späte Blüte erlangte das Äquatoreal jedoch nach dem zweiten Weltkrieg in den Händen des passionierten Liebhaberastronomen Max Beyer. Von 1946 bis 1977 beobachtete Beyer in fast jeder klaren Nacht Kometen und veränderliche Sterne. Seine visuellen Beobachtungsreihen sind ein Musterbeispiel an Gleichmäßigkeit und Sorgfalt, sie wurden regelmäßig in den ,,Astronomischen Nachrichten" publiziert. Bis in die jüngste Vergangenheit galt Beyer als der Beobachter mit der weltweit größten Zahl von visuellen Kometenschätzungen. Daneben diente das Äquatoreal gelegentlich für öffentliche Führungen.

Nach jahrelangem ,,Dornröschenschlaf" und entsprechendem Verfall wurde das Gebäude des Äquatorials zwischen Mai 2004 und November 2005 auf Initiative des Fördervereins restauriert und mit der Originalfarbgebung versehen. Die Mittel hierzu kamen von der Hamburger Stiftung Denkmalpflege, der Bergedorf-Stiftung, vom Förderverein selbst und von einer Reihe von Einzelspenden. Das Teleskop ist noch nicht restauriert aber betriebsfähig. Es ist beabsichtigt, das Äquatorial künftig wieder für öffentliche Beobachtungen zu nutzen, doch ist hierzu noch ein Rückschnitt der das Kuppelgebäude umgebenden Vegetation erforderlich.




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