Bei Beobachtungen an Galaxienhaufen haben Astronomen und Astronominnen unter Leitung der Universität Hamburg eine neue Klasse von kosmischen Radioquellen aufgespürt. Mit dem digitalen Radioteleskop Low Frequency Array (LOFAR) empfingen sie die längsten Radiowellen, die auf der Erde gemessen werden können und erkannten im Röntgenlicht einen Galaxien-Schweif, der nach seinem Erblassen mit neuer Energie versorgt worden sein muss. In der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Science Advances beschreibt das Team um Dr. Francesco de Gasperin von der Hamburger Sternwarte und dem Observatorium Leiden (Niederlande) seine Entdeckung.

 

Bereits 2015 hatten Hamburger Astronomen im Galaxien-Haufen Abell 1033, der 1,6 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt liegt, eine „Radio-Phönix“ dokumentiert: Der Einschlag eines weiteren Galaxienhaufens hatte Partikel, die bei der Entladung eines supermassiven Schwarzen Lochs auf extreme Energien beschleunigt worden waren und sich anschließend wieder beruhigt hatten, neu belebt – und wie einen Phönix aus der Asche auferstehen lassen. „Mit dem Nachweis dieser Quelle hatten wir vor eine bestehende Theorie bestätigt. Bei der neuen Entdeckung geht es aber um eine neue Klasse von kosmischen Radioquellen“, erklärt Prof. Dr. Marcus Brüggen, Professor für Extragalaktische Astrophysik an der Universität Hamburg. „Diese neue Art von Quellen ist noch völlig unverstanden. Hier werden Teilchen über lange Zeiten beschleunigt. Der Mechanismus ist noch rätselhaft, aber wir gehen davon aus, dass es hunderte solcher Quellen gibt.“

 

press release LOFAR

Composite (false-colour) image of the galaxy cluster Abell 1033. Optical light from individual galaxies, visible as coloured spots across the image, is obtained by the Sloan Digital Sky Survey, while in blue the X-ray emission observed with the Chandra satellite traces the hot gas. Radio emission from LOFAR is shown in orange and traces a complex of radio sources including the tail of particles left behind by the galaxy moving towards the left of the image. The radio-emitting particles fade away and then are re-energised close to the central region of the merging galaxy cluster.