Hamburger Sternwarte - Überblick
Im Osten Bergedorfs steht auf dem Gojenberg seit Anfang des vorigen
Jahrhunderts die Hamburger Sternwarte. Genau genommen besteht sie noch
länger, gründete J.G. Repsold doch 1825 am Millerntor zunächst
privat eine Sternwarte, die
1833 Staatsinstitut wurde.
Die offizielle Einweihung der nach einem sehr fortschrittlichen
Konzept errichteten Neubauten in Bergedorf war 1912. Modern war
die Anlageform, d.h. die Aufteilung der Instrumente auf einzelne, verstreut
liegende Gebäude, aber vor allem die instrumentelle
Ausstattung.
Bis heute ist diese Sternwartenanlage nahezu komplett erhalten. Das gilt
für das Sternwartengelände mit den historischen Gebäuden
und ihrer Ausstattung ebenso wie für die optischen Geräte und die
technischen Details.
Sehenswert ist auch die wertvolle
Bibliothek der Sternwarte, die alle
wichtigen astronomischen Publikationen der letzten 200 Jahre umfasst und sogar einige
Bände aus dem 17. und 16. Jahrhundert.
Die Stadt Hamburg hat das gesamte Sternwartengelände mitsamt den
historischen
Gebäuden und ihrer Ausstattung in ihre Denkmalliste
aufgenommen. Die Hamburger Sternwarte wird alljährlich von mehreren
tausend Menschen besucht, die an Führungen und Veranstaltungen
teilnehmen.
Bergedorf ist weltweit unter Astronomen oft bekannter als Hamburg.
Die Forscher in Bergedorf haben immer wieder mit ihren Arbeiten von sich
reden gemacht. So gibt es u.a. eine Bergedorfer Spektral-Durchmusterung
und den AGK3-Katalog mit Eigenbewegungen von vielen tausend
Sternen. Kataloge aus der Hamburger Sternwarte sind wichtige Vorläufer
für neueste Kataloge mit mehr als 50 Mio. Sternen.
Bernhard Schmidt erfand in Bergedorf seine Korrektionsplatte für
Spiegelteleskope und damit das Schmidt-Teleskop, wodurch photographische Himmelsaufnahmen großer
Felder erst möglich wurden.
Mit dem Hamburger Schmidt-Teleskop auf dem Calar Alto in Südspanien
und dem ESO-Schmidt in Chile wurden Aufnahmen des Himmels gewonnen,
auf denen tausende Galaxien und weitentfernte Quasare gesucht und gefunden
werden konnten. Die photographischen Platten sind wichtige Datenträger, die
im Archiv sorgfältig aufbewahrt werden.
1968 wurde die Hamburger Sternwarte als Institut in den Fachbereich Physik
der Universität Hamburg integriert und ist seitdem gleichermaßen der
akademischen Lehre als auch der astronomischen Forschung verpflichtet.
Die Hamburger Sternwarte betreibt astronomische und astrophysikalische
Grundlagenforschung. Die Forschungsschwerpunkte sind Quasare,
Gravitationslinsen und die Aktivität von Sternen. Die Forschung an
Sternen, wie auch an der Sonne, bleibt nach wie vor aktuell.
In den Forschungsgruppen arbeiten ständig ca. 20 Diplomanden und
Doktoranden, insgesamt sind etwa 60 Personen im Institut beschäftigt.
Viele Studierende entscheiden sich nach den Einführungsvorlesungen zur
Astronomie und Astrophysik zu weiterführenden Lehrveranstaltungen und
wählen Astronomie als Neben- und Prüfungsfach. Als Diplomanden oder
Doktoranden bearbeiten sie an der Sternwarte in ein oder mehreren Jahren ein
eigenes Forschungsprojekt.
Mit dem in der Astrophysik erworbenen Wissen haben die Absolventen nicht nur
ihr Weltbild erweitert, sondern sie können ihre gewonnenen Kenntnisse und
Fähigkeiten in Physik, Mathematik und Informatik in allen modernen
Berufen erfolgreich anwenden.
Die Hamburger Sternwarte verstärkt ihr Angebot, um auch schon Schülern
in einem
Ferienkurs Einblick in dies zukunftsorientierte Studium zu ermöglichen. Astronomie
hat die Menschen in allen Epochen und Kulturen interessiert, doch nie
waren die Forschungsmöglichkeiten so gut wie gegenwärtig.
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