Hamburger Sternwarte - Verschiedenes:
Beobachtungsmöglichkeiten
Die Hamburger Sternwarte nutzt intensiv Beobachtungsmöglichkeiten an
internationalen Großforschungseinrichtungen, um mit den so gewonnenen
Daten ihre Forschungsprojekte durchführen zu können. In der Grundlagenforschung
ist es erforderlich mit den modernsten und größten Instrumenten zu arbeiten, um
international erfolgreich sein zu können. Beobachtungszeit an Instrumenten
dieser Einrichtungen muß beantragt werden. Ausschlaggebend für die Genehmigung
von Beobachtungszeit ist die wissenschaftliche Qualität der Projekte und ihre
Durchführbarkeit, d.h. man muß sich mit dem Antrag gegen internationale
Konkurrenz und Druckfaktoren (das Vielfache der überhaupt zu vergebenden
Beobachtungszeit) bis zu einem Faktor 5 durchsetzten. Die Forschergruppen der
Hamburger Sternwarte gehören an vielen Einrichtungen mit zu den größten Nutzern
in Deutschland.
International Ultraviolet Explorer
(IUE-Satellit)
Dieses Weltraumteleskop,
das Spektren im UV (Ultravioletter Spektralbereich, 115-320 nm) liefert,
wurde 1978 in Betrieb genommen. Es war ursprünglich für 3 Jahre konzipert,
ist aber nun bereits über 18 Jahre im Einsatz. Den Europäern gehört 1/3 der
Beobachtungszeit. Mit diesem Anteil wurden ca. 12000 astronomische Objekte beobachtet.
Die Hamburger Sternwarte konnte dieses Teleskop regelmäßig sehr stark nutzen.
Mit ihm wurden die ersten UV-Spektren von
HS1700+6416 (außerhalb des normalen
Antragsverfahrens) sowie anderer Quasare aufgenommen. Zur Zeit ist nu noch sehr
eingeschränktes Beobachten möglich, da nur noch ein Gyro (von normalerweise 3
benötigten) zur Verfügung steht.
ROSAT(Röntgen-Satellit)
Der ROSAT-Satellit
hat eine Himmelsduchmusterung nach Röntgenquellen durchgeführt. Dabei wurden ca.
60000 Röntgenquellen gefunden. Aus der Röntgeninformation allein kann man im Allgemeinen
nicht schließen, welcher Objekttyp diese Strahlung ausgesendet hat. Die
digitalisierten Schmidt-Platten der beiden Quasarsurveys bieten hier eine
weltweit einzigartige Datenbasis, um einen großen Teil dieser Objekte durch
einen Vergleich mit den Schmidt-Spektren zu klassifizieren. Bisher konnten ca.
10000 Röntgenquellen identifiziert (das ist die Zuordnung einer optischen
Quelle) und klassifiziert werden.
HIPPARCOS (Astrometrie-Satellit)
Die Aufgabe dieses Satelliten war die genaue Positionsbestimmung von über
100000 Sternen. Dazu mußte zunächst ein Katalog von Referenz-Sternen erstellt
werden, an dem sich der Satellit orientieren konnte. Die Astrometriegruppe der
Hamburger Sternwarte war an dessen Erstellung beteiligt (Teil des
"Hipparchos Input Catalog"s) und ist zur Zeit an der Erstellung des "Extra
Galactic Reference Link" beteiligt.
Hubble Space Telescope (HST)
Das Hubble Space Telescope wurde
im April 1990 vom Space Shuttle Discovery ausgesetzt. Es stellte sich bald heraus, daß
die Optik fehlerhaft war und das Teleskop nur sehr unscharfe Aufnahmen machen konnte.
Erst im Dezember 1993 konnte mit der Raumfähre Endeavour dieser Fehler behoben werden.
Die Hamburger Sternwarte hat schon sehr früh mit dem in Hamburg entdeckten Quasar
HS 1700+6416 Beobachtungszeit an diesem Weltraum-Teleskop erhalten. Mit dem sich dadurch
schnell entwickelnden Forschungsprojekt
Quasar-Absorptionslinien-Systeme ist die Hamburger Sternwarte zu einem
der größten europäischen Nutzer geworden. Ein weiterer Schwerpunkt ist
die spektroskopische Beobahtung von Sternwinden bei Zeta Aurigae-Doppelsternen.
ISO (Infrarot-Satellit)
Der Infrarotsatellit ISO wurde im
November 1995 gestartet. Auch an diesem Satelliten-Teleskop haben Hamburger Forscher
bereits Beobachtungszeit für ihre Projekte erhalten.
XMM (The High-Throughput X-Ray Spectroscopy Mission)
Der Röntgensatellit XMM
ist das lichtstärkste Röntgenteleskop, das zur Zeit zur Verfügung
steht. Es wurde am 10. Dezember 1999 gestartet.
Europäische Südsternwarte (ESO, La Silla, Chile).
Die ESO wurde 1962 als Europäisches
Forschungszentrum unter starker Beteiligung der Hamburger Sternwarte gegründet.
Für 12 Jahre war ihr Verwaltungssitz in Hamburg, bevor sie 1975 nach Genf und
später nach München umzog. Otto Heckmann (von 1941 bis 1962 Direktor der
Hamburger Sternwarte) wurde der erste Generaldirektor der ESO (bis 1969).
Die Hamburger Sternwarte hat außer regelmäßigen Beobachtungsprogrammen
an den verschiedenen Teleskopen mit dem
Hamburg/ESO Survey ein "Schlüssel"-Projekt mit garantierter
Beobachtungszeit für Nachbeobachtungen am 3.6 m, 2.2 m und 1.5 m Teleskop.
Für dieses "Schlüssel"-Projekt werden große Teile des
Südhimmels (bisher ca. 8500 Quadratgrad) mit dem ESO 1 m Schmidt-Teleskop und
dem 4° Prisma abfotografiert. Die Schmidt-Platten werden auf
La Silla/Chile
aufgenommen und dem Projekt kostenlos zur Verfügung gestellt.
Im Hamburg/ESO Survey werden ständig neue Objekte
gefunden, die wissenschaftlich so interessant sind, daß sie mit großen
Teleskopen nachbeobachtet werden. Damit ist die Hamburger Sternwarte nicht nur
ein Nutzer der Einrichtung sondern auch ein Lieferant neuer Objekte.
Wichtig für die zukünftige astronomische Forschung wird die Fertigstellung des
VLT (Very Large Telescop) auf dem Paranal sein.
Hier werden vier 8-m Teleskope gebaut, die einzeln genutzt werden können, wenn sie aber
zusammengeschaltet werden, die Fläche eines 16-m Spiegels ergeben.
Deutsch Spanisches Astronomisches Zentrum (Calar Alto, Spanien)
1979 wurde das ehemalige
Hamburger Schmidt Spiegelteleskop auf dem
Calar Alto in Betrieb
genommen. Die Licht- und Luftverschmutzung und die ungünstigen
Witterungsbedingungen waren der Grund für diese Verlagerung. Est auf dem Calar
Alto konnte das 80cm Schmidt-Teleskop seine hohe Bildqualität ausnutzen.
Mit dem Hamburg Quasar Survey
(Beginn 1985) hat dieses Teleskop seine größte Aufgabe erhalten.
Bisher wurden allein im HQS über 1100 Spektralplatten und ca. 560
Direktplatten aufgenommen und damit der extragalaktische Nordhimmel vollständig
überdeckt. Eine HQS-Schmidt-Platte bedeutet ca. 1 Stunde
Belichtungszeit bei guten Wetterbedingungen und ohne Mondlicht.
Diese Platten sind auch eine Fundgrube für die stellare und extragalaktische
Forschung. Die neuen interessanten Objekte dieses Surveys sind bestens geeignet,
um mit den großen Teleskopen (3.5 m- und 2.2 m-Spiegelteleskop) nachbeobachtet
und spektral analysiert zu werden. Die Hamburger Sternwarte ist auch hier einer
der größten deutschen Nutzer.
100-m Radioteleskop Effelsberg
Das 100-m Radioteleskop
Effelsberg ist das größte voll bewegliche Radiotelekop der Welt mit
einem Schüsseldurchmesser von 100 m. Es ist seit 25 Jahren im Einsatz.
Very Large Array
Das VLA ist
das bedeutendste Radioteleskop der Welt und wurde 1981 nach 8 Jahren Bauzeit
fertiggestellt.
Es liegt in New Mexico und besteht aus 27 Antennen die sich in Form eines Y
über 36 km erstrecken. Jede Antenne hat einen Durchmesser von 25 m. Werden sie
elektronisch gekoppelt, so egibt sich die Auflösung einer Antenne mit 36 km
Durchmesser und die Empfindlichkeit einer Schüssel mit 130 m Durchmesser.
Hamburger Astronomen haben kühle Riesensterne sowie BL Lac Objekte mit dem
VLA beobachtet
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