Es leuchten die Sterne

Ein Schülerbericht zum 7. Hamburger Ferienkurs der Universität Hamburg

Montag, 16. Oktober 2000. Morgens um 9 Uhr hat sich eine Gruppe von etwa 25 Schülerinnen und Schülern der Jahrgänge 11 bis 13 in einem kleinen Seminarraum der Hamburger Sternwarte eingefunden. Fast alle kommen aus Hamburg und Umgebung und hätten eigentlich Ferien. Aber heute sind sie dennoch hier erschienen, um einen sehr extremen Zweig der Physik kennen zu lernen, nämlich den Bereich der Physik, der sich sowohl mit den allergrößten und den allerkleinsten Dingen im Universum beschäftigt: die Astrophysik.
Pünktlich startet die Begrüßung durch Dieter Engels, der diesen Ferienkurs an der Sternwarte ins Leben gerufen hat. Nur ein paar kurze nette Einleitungsworte, denn gleich im Anschluss hält Prof. Dr. Wendker einen Vortrag über den Fachbereich Physik in Hamburg. Er nennt nicht nur ein paar interessante historische Fakten über die Entstehung der Universität und der Sternwarte, sondern berichtet über Grundlagen der Physik und stellt das Physikstudium in einem sehr guten Licht dar. In den letzten Jahren ist nämlich die Zahl der Physikstudenten extrem zurückgegangen, so dass inzwischen mehr Doktorantenstellen zu vergeben sind als neue Studenten an die Uni kommen. Wer also in den nächsten Jahren mit einem Physikstudium anfängt, hat nicht nur gute Chancen auf einen Arbeitsplatz, sondern auch sehr gute Chancen, sich diesen frei auszusuchen. Anschließend hielt Prof. Dr. Reimers einen Vortrag speziell zur Astrophysik. Die Astrophysik, so erzählte er, ist in drei große Bereiche unterteilt:
  1. die Stellarastrophysik,
  2. die Gravitationslinsenforschung
  3. und die Quasardurchmusterung und -spektroskopie
Nun braucht man zum Untersuchen von Phänomenen wie z.B. der Quasare aber große und sehr leistungsfähige Teleskope. Und diese stehen in Südamerika, wie das VLT (das Very Large Telescope), in Spanien und überall da auf der Welt, wo man mit sehr wenigen bedeckten Tagen im Jahr rechnen kann. Als Forscher wird man also viel Zeit vor dem Computer verbringen oder gelegentlich sogar zu den Teleskopen fliegen, was bestimmt nicht zu verachten ist.
Jetzt nach dem zweiten Vortrag werden nur noch schnell ein paar organisatorische Dinge geklärt und es beginnt der eigentliche Teil des Tages: die Experimente. Vor Beginn des Seminars konnte man sich für bestimmte Themen eintragen und nun werden immer in Zweiergruppen unter Leitung von Studenten, Doktoranten oder Professoren kleine Versuche durchgeführt. Zu den Themen gehören diesmal: Aufbau des Weltalls, Echtfarbenabbildung von Sternen, Weiße Zwerge, Kosmische Hintergrundstrahlung und noch einige mehr. Die Experimente sind überwiegend so angelegt, dass man viel selbst ausprobieren kann und hinterher noch genügend Zeit hat, um sich mit den Leuten über das Studium oder auch alles mögliche andere zu unterhalten.
Nach der ersten, etwa drei Stunden andauernden Experitnentierphase gab es für alle Teilnehmer Mittagessen in der Kantine der Sternwarte: heute einmal Spagetti Bolognese. Auch beim Mittagessen bietet sich die Chance, sich mit den Professoren oder Studenten zu unterhalten, da sich diese - zum größten Teil auch von irdischen Bedürflüssen geplagten Individuen - auch zum Essen eingefunden haben. Insgesamt verbringt man etwa eine Stunde mit Mittagessen und Spazieren gehen auf dem Gelände, bis es zum zweiten Experiment geht. Nach weiteren drei Stunden treffen sich noch einmal alle Teilnehmer, um ihre Urkunden und ein paar Tipps für später abzuholen. Eigentlich ist an dieser Stelle das Seminar beendet, weshalb sich auch der größte Teil der Probestudenten auf den Weg nach Hause macht, doch für ein paar besonders Interessierte gibt es nun noch einen Geländerundgang, bei dem ein weiterer netter Student alle möglichen Fragen beantwortet. Er erzählt auch noch allerhand Geschichten zur Sternwarte, z.B. warum es einen kleinen Friedhof auf dem großen Grundstück gibt ...
Zu guter letzt kann die kleine Gruppe dann noch einmal sehen, wie Astronomen wirklich arbeiten: Nachts, bei geöffneter Kuppel, unter sternenklarem Himmel und mit einem guten alten, zwölf Meter langem Linsenteleskop. Bei einem solchen Anblick vergisst man sogar die bereits winterlichen Temperaturen und hat nur noch ein Auge für die Schönheit der Sterne, deren Licht uns von allen Seiten des Kosmos' umgibt.

Autor: Jan Stange
Erschienen im Johanneum intern 1/2001

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Letzte Änderung: 30. Jan. 2000 by dkuehl@hs.uni-hamburg.de