Astronomische Nachrichten, Nr.3632 1900 S.127

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Am 3. März d. J. starb nach langem schwerem Leiden der langjährige Director der Hamburger Sternwarte, Professor

George Friedrich Wilhelm Rümker, M. A.

Auf der Hamburger Sternwarte am 31. December 1832 als Sohn des verdienstvollen ersten Directors der Sternwarte Charles Rümker geboren, wurde er schon in früher Jugend von seinem Vater in die astronomische Wissenschaft eingeführt. Bereits im Alter von 14 einhalb Jahren nahm er regen Antheil an der Beobachtungsthätigkeit der Sternwarte und die Astronomischen Nachrichten enthalten aus dieser Zeit von ihm zahlreiche Beobachtungen von Planeten und Cometen, Sternbedeckungen, Sternschnuppen, sowie Berechnungen von Elementen und Ephemeriden der neuen Planeten und Cometen. Daneben unterrichtete er auch 1850-51 an der Navigationsscbule, welche damals mit der Sternwarte vereinigt unter der Direction seines Vaters stand. 1851 ging er nach Berlin, um unter Encke seine astronomische Ausbildung an der Universität zu erweitern, betheiligte sich aber auch bier an den Beobachtungen auf der Sternwarte und den Berechnungen von Planeten- und Cometenbahnen. Die in Berlin verlebte Zeit, in welcher er in enge freundschaftliche Beziehungen zu Brünnow, d'Arrest, R. Luther u. A. trat, hat einen nachhaltigen Eindruck bei ihm hinterlassen und gern pflegte er noch in späteren Jahren aus jener Zeit zu erzählen, Mitte 1853 folgte Rümker einem Rufe als Observator an die Sternwarte in Durham und verblieb daselbst zwei Jahre. 1855 kehrte er zur Unterstützung seines kranken Vaters als Adjunct der Sternwarte nach Hamburg zurück. Nachdem sein Vater sich 1857 zur Linderung seines Leidens nach Lissabon zurückgezogen hatte, wurde George Rümker mit der Leitung der Hamburger Sternwarte interimistisch und seit 1867 definitiv betraut.

Neben dieser rein astronomischen Thätigkeit, in welcher er ausgedehnte Beobachtungsreihen von Cometen und Planeten und namentlich auch von Nebelflecken und Sternhaufen anstellte, deren Resultate zum Theil in den Astronomischen Nachrichten, zum Theil im Jahre 1895 in den Mittheilungen der Hamburger Sternwarte Nr. 1 publicirt wurden, hat er auch im Laufe der Jahre eine Reihe von Nebenämtern bekleidet, welche in Folge der engen Beziebungen, welche die Hamburger Sternwarte von Anfang an zur Nautik gebabt hatte, ihm übertragen wurden. Die Navigationsschule, deren Leitung gemeinsam mit derjenigen der Sternwarte in der Hand seines Vaters gelegen hatte, war in Folge ihrer grossen Entwickelung von der Sternwarte zwar abgetrennt worden, jedoch verblieb Rümker in VerbindUng mit der Nautik insofern, als er im Jahre 1871 zum Vorsitzenden der Prüfungscommissionen für die Seeschiffer- und Steuermannsprüfungen und im Jahre 1880 zum Vorsitzenden der Prüfungen der Seedampfmaschinisten ernannt wurde; ferner wurde ihm im Jahre 1871 vom damaligen Reichskanzleramt das Amt eines Reichsprüfungs-Inspectors für die nautischen Prüfungen der Handelsmarine für den östlichen Theil des Deutschen Reiches übertragen, welches er bis zum Jahre 1889 bekleidete. Im engen Zusammenhang mit diesem Zweige seiner Thätigkeit, der ihm in der ferneren Zeit bauptsächlich in Anspruch nahm, stand die Einrichtung eines umfassenden Zeitdienstes bei der Hamburger Sternwarte für die Zwecke der Schifffahrt und der Präcisionsuhrmacher, sowie seine Mitwirkung bei den Vorarbeiten zur Begründung der Deutschen Seewarte und die Errichtung des Chronometer-Prüfungs-Instituts, welches auf seine Anregung im Jahre 1875 vom Deutschen Reiche bei der Hamburger Sternwarte begründet, als Abtheilung IV der Deutschen Seewarte angegliedert und dessen Leitung Rümker ebenfalls übertragen wurde.

Ferner muss noch seine verdienstvolle Thätigkeit hervorgeboben werden, welche er als Mitglied der Deutschen Commission zur Beobachtung der Venusdurchgänge namentlich bei der Ausrüstung der Expeditionen entfaltet hat, sowie seine Theilnahme an den Verhandlungen der Internationalen Erdmessung, der er als Delegirter Hamburgs seit 1883 angehörte.

Ein schweres gichtisches Leiden, dessen Anfänge sich schon im Jahre 1884 zeigten, belästigte ihn in den letzten Lebensjahren in starkem Maaße und veranlasste ihn, am 1. April 1899 von seinen Aemtern zurückzutreten. Leider war es ihm nichtt lange vergönnt, sich des wohlverdienten Ruhestandes zu erfreuen.

Rümker's. Name wird mit der Geschichte der Hamburger Sternwarte, mit der Geschichte der deutschen Seeschifffahrt dauernd verknUpft sein. Sein herzliches, liebenswürdiges Wesen und sein froher heiterer Lebensmuth, der ihn auch in den schweren Tagen seiner Krankheit nicht verliess, wird allen, die ihm persönlich nahe getreten sind, unvergesslich sein.

R Schorr