Abb.:
In NGC 6888 zeigt sich die Wechselwirkung eines vom Stern (helles
Objekt in der Mitte des Nebelovals) abströmenden Windes mit dem
umgebenden IM sehr deutlich. Der Wind strömt mehrere Lichtjahre
weit, bis er auf das IM stösst (äusseres Oval); dort wird er plötzlich
abgebremst und heizt das IM auf. An der Grenzfläche kommt es zu
vielfachen Instabilitäten (Verwirbelungen), die nach dem Abkühlen
langgestreckte Filamente bilden. Diese sind besonders gut in der roten
Spektrallinie des Wasserstoffs zu sehen. (Die Helligkeit der Filamente
ist farbkodiert von schwarz (keine Strahlung) über grün und rot zu
weiss.)
Interstellare Blasen
Ein Hauptlieferant für Materienachschub des IM sind die schnellen
und dichten Winde heisser Sterne. Da sie in Stossfronten mit dem
umgebenden IM bei Machzahlen von > 100 wechselwirken, wird das
Gas auf über

K aufgeheizt und in dicken Hüllen deponiert.
Dieses Gas strahlt daher im Röntgenbereich sehr stark, die Abkühlzeiten
sind aber trotzdem sehr lang. Neben Supernova-Überresten sind stellare
Winde die wichtigsten Lieferanten von Energie und Materie für die
heisse Phase des IM. Wir haben nach dem Start des deutschen
Röntgenobservatoriums ROSAT ein Projekt begonnen, in dem erstmals
dieses heisse Gas mit Beobachtungen untersucht werden kann. Im
Röntgenbereich wird extrem die Partikelnatur des Lichtes ausgenutzt;
man zählt also Photonen und muss "Bilder" aus vielen solchen
Einzelereignissen zusammensetzen. Neben vielen instrumentellen
Problemen treten eine grosse Zahl an astronomischen Störeffekten,
wie z.B. nicht zum Objekt gehörige Punktquellen, Überlappungen von
Objekten usw., auf. Die Reduktion der Beobachtungen erfordert komplexe
Algorithmen in grossen Programmpaketen. Die astrophysikalische
Interpretation dieser Bilder ist dann die eigentliche Aufgabe.
Bisherige Ergebnisse zeigen, dass die Beobachtungen durch keines der
bisherigen theoretischen Modelle wiedergegeben werden können. Offenbar
spielt die Vorgeschichte der unmittelbaren Umgebung des Sternes eine
entscheidende Rolle. Diese spiegelt sich in kühlen Hüllen wider, die im
IR um einige Objekte gefunden wurden.
Struktur kühler interstellarer Wolken
Seit vielen Jahren werden radioastronomische Beobachtungen
durchgeführt, die den Übergangsbereich vom kühlen und kalten
Gas zur Sternentstehung betreffen. Der Radiobereich eignet sich
besonders gut für diese Zwecke, da unterhalb von einigen 100K
Kontinuums- und Linien-Strahlung aus energetischen Gründen diesen
Wellenlängenbereich bevorzugen. Dabei wurden durch grossflächige
Kartierungen sowohl in sog. Molekülwolken nach Verklumpungen,
die eventuell bereits junge Sterne enthalten könnten, direkt gesucht
als auch an Erkennungsverfahren gearbeitet, die eine allgemeine
Strukturbeschreibung ermöglichen. Letzteres ist im Moment sicherlich
sehr aktuell, da offenbar geworden ist, dass die sphärisch
symmetrische Standardwolke des IM von der Natur kaum produziert
wird, andererseits es aber keine numerischen Standardverfahren gibt,
die komplizierteren Geometrien angemessen zu beschreiben. Die
Projektion verschiedener Zustände des IM in einer Sichtlinie und
räumliche Auflösungsprobleme erfordern hier Methoden, die in drei
Dimensionen Strukturen erkennen lassen. Erstaunlicherweise ist z.B. die
Zerlegung von Karten des neutralen interstellaren atomaren Wasserstoffs
(d.h. in der nun schon seit fast 40 Jahren bekannten 21 cm Emissions-
und Absorptionslinie) alles andere als trivial. Hinzu kommt, dass lokale
Bedingungen für die Entstehung neuer Sterne offenbar sehr stark
schwanken können. Es kommt daher auch darauf an, die Struktur des
die Molekülwolke umgebenden Mediums ebenfalls genau zu kennen
(physikalisch gesehen ein Druckproblem zu lösen).
Die eigentlichen Beobachtungen sind immer an Grossgeräten
(Satellitenobservatorien ROSAT und ISO,
100 m-Teleskop in Effelsberg, 30 m-Millimeterteleskop auf dem Pico
Veleta in Spanien, dem amerikanischen VLA (
Very
Large
Array), dem
DRAO Interferometer in Kanada usw.) durchgeführt worden. In Hamburg
werden die Projekte erarbeitet und vorbereitet. Nach den Beobachtungen
werden die Daten dann wiederum hier ausgewertet und interpretiert.
Die Arbeitsgruppe beteiligt sich an einer grossen internationalen
Kollaboration,
die mit dem kanadischen Interferometer in Penticton die
21 cm Strahlung der nördlichen
Milchstrasse kartiert. Die erwünschte Winkelauflösung
beträgt 1-2 Bogenminuten (bisherige Daten dieser Art 0.6 Grad), die
Geschwindigkeitsauflösung etwa 1 km/s. Das Interesse der
Arbeitsgruppe liegt vor allem in der Ausnutzung der Absorptionslinien
gegen Kontinuumsquellen zur Bestimmung von Temperaturen und Dichten und in
der Verfügbarkeit von vielen Daten zur Strukturerkennung.